Startseite Insights Hendricks-Kolumne Von Freiheit, Zwang und Abhängigkeit

„Die Freiheit ist ein wundersames Tier und manche Menschen haben Angst vor ihr…“, diese Zeile stammt aus dem Lied „Freiheit“ von Georg Danzer, einem leider schon 2007 verstorbenen österreichischen Liedermacher, dessen Lieder ich zu Beginn der 80er Jahre auf diversen Friedensdemos kennengelernt habe.

Ein wunderbarer Blues, mit Tiefsinn und Wiener Schmäh, der mich immer wieder berührt, besonders in der heutigen Zeit.

Freiheit ist ein sehr komplexer Begriff, den ich aber hier verkürzt als die Möglichkeit der selbstbestimmten und ungestraften Ausübung von Willensentscheidungen umschreiben möchte. Ungestraft kann dabei sowohl rechtlich oder auch sozial betrachtet werden, denn die Freiheit des eigenen Handelns darf nur so weit gehen, als dass die Rechte anderer nicht verletzt werden. Der Freiheit entgegenstellen kann man den Zwang, der mich zu einer Entscheidung nötigt – gegen meinen freien Willen. Dieser Zwang kann von Autoritäten ausgeübt werden oder er ergibt sich aus einer alternativlosen Situation.

Freie, unabhängige Entscheidungen zu treffen, ist für viele Unternehmer die Triebfeder ihrer Selbstständigkeit.

Und doch kann es passieren, dass eine Verkettung von Entscheidungen zu Abhängigkeiten und schlussendlich unfreiwilligen Zwangshandlungen führt. Laokoon-gleich windet man sich und vermag doch der tödlichen Umklammerung nicht zu entweichen.

Nun, es ist nicht immer so dramatisch und doch erinnert mich die aktuelle Diskussion um die Abhängigkeit von russischen, fossilen Brennstoffen fatal an dieses Bild. Wie hat es unser Wirtschaftsminister Robert Habeck in der Talk Show „Anne Will“ sinngemäß ausgedrückt: Wir können auf mittlere Sicht nicht ohne diese Energieträger auskommen, ohne massiv darunter zu leiden. Auch wenn es moralisch „nicht schön“ ist. Die moralische „Un-ästhetik“ besteht in der zwangsweisen Finanzierung des russischen Angriffskriegs und dem Tod von vielen unschuldigen Menschen. Bitter, aber auch Herrscher und Volksvertreter geraten in Zwangslagen!

Warum nennt man Schach das Spiel der Könige? Weil es hier, unter anderem, auch um Entscheidungen mit weitreichenden Folgen geht, um Sieg oder Niederlage, vielleicht auch ein Patt oder Remis. Gewinnen wird der, der die Stellungen richtig interpretiert und die Züge richtig vorausberechnet. Und der, der sich aus den aufgestellten Fallen befreit, diese bestenfalls voraussieht und sich nicht in „Zwickmühlen“ oder Zugzwang begibt.

Für Unternehmer und Manager geht es bei allen Entscheidungen ebenfalls darum, sich Zwangslagen zu entziehen, wirtschaftliche Autonomie zu bewahren und im besten Sinne „sein eigener Herr“ zu sein.

Dieser Gedanke treibt mich an, wenn ich von Business Intelligence spreche, Intelligence im Sinne von Aufklärung. Wie bei der militärischen Aufklärung geht es dabei um wichtige Informationen zur Entscheidungsfindung. Freiheit ist, ohne das Wissen um Risiken, nur ein kurzes Glück. Die Wahrung der Unabhängigkeit bedarf immer des Blicks in die Zukunft.

Die Vorausschau und der daraus abgeleitete Plan (übrigens auch ein Vorgehen, das militärische Wurzeln hat) ermöglicht es, Szenarien zu entwickeln und Entscheidungswege und ihre Konsequenzen zu simulieren. Zwangslagen, Abhängigkeiten und Engpässe werden deutlich, alternative Entscheidungen werden aufgezeigt und der berühmte Plan B wird entwickelt.

Ich wünschte mir aktuell diesen Plan B in unserer Energie-, Außen- und Verteidigungspolitik – mehr denn je!

Und nicht als „B-Ware“ oder „second-best-choice“, sondern im Zweifel als Notausgang zur Bewahrung des Wichtigsten: 

der Freiheit.

Autor: Frank Hendricks, geschäftsführender Gesellschafter von HENDRICKS, ROST & CIE.

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